Luks Reimann sagt was viele denken
Zurück

Nachruf zum Tod von Marc Horisberger (1970 – 2016): FÜR DICH MARC!


Liebe Freunde, einige von Euch fragten bereits besorgt, ob bei mir alles in Ordnung sei. Es ist toll auf so achtsame Freunde zählen zu können. Ich bitte in den nächsten Tagen noch etwas mehr Geduld mit mir zu haben als üblich und freue mich, wenn ihr diesen langen Text über eine bewundernswerte, viel zu früh verstorbene Persönlichkeit als Anerkennung zur Kenntnis nehmt. In stiller Trauer Lukas

 

Nachruf zum Tod von Marc Horisberger (1970 – 2016)

Für Dich Marc

Viele gute Freunde begleiten mich, aber so richtig gute Freunde – mit welchen man alles teilt, über restlos alles redet – kann ich an einer Hand abzählen. Einer davon ist Marc Horisberger. Und dies wird er für immer bleiben.

Erst letzten Monat verbrachte ich mit ihm 2 Wochen in Nevada, wo wir irgendwo im Nirgendwo nächtelang von Poker über Politik bis zu Leben und Tod alles diskutierten. Der Schock sitzt tief. Schmerz und Trauer sind unendlich. Mein herzliches Beileid gilt ganz besonders seiner lieben Mutter und seinem Bruder. Beide standen ihm sehr nah. Und natürlich all seinen Freunden, die ihn vermissen werden. Für so viele war Marc ein Bruder und ein Hoffnungsträger.

Eine kommentierte Auswahl an Erinnerungsfotos auf Facebook.fotogala

 

 „Horisberger hier, können wir übers Pokern reden. Bis heute blieb er so gespeichert in meinem Handy. Nur Stunden vor seinem Tod telefonierten wir – wie häufig – ziemlich lange. Am 7. Mai 2008 rief mich Marc erstmals an und fragte, wie er meine gleichentags eingereichte Motion „Entkriminalisierung Poker“ unterstützen könne. Kurz darauf trafen wir uns im PokerPalace und verstanden uns auf Anhieb. Seit da hat Marc unglaublich viel geopfert für den Pokersport in ganz Europa. Die Pokerschweiz verliert ihren grössten Förderer. Wie Sekunden kommen mir heute diese 8 Jahre unvergesslicher Freundschaft vor. Viel zu kurz waren sie. Viel zu jung war Marc.

Marc - der Pokerprofi - zählt zu den besten Pokerspielern der Schweiz. Unzählige Turniere hat er gewonnen. Noch mehr Turniere hat er organisiert. Am 27. Mai 2013 holte er sich etwa den mit 40‘000 Euro und noch mehr Prestige belohnten Sieg beim Hamburg Poker Masters. Es ging ihm aber nicht darum. Von wie vielen, faszinierenden Gesprächen mit Menschen aus der ganzen Welt und aus den unterschiedlichsten Berufen und Alterskategorien berichtete er mir. Auch überzeugte er mich in seinem Pokerclub in Dietlikon, dass Poker ein ausgezeichnetes Mittel zur Förderung eines friedlichen Miteinanders aller Nationalitäten ist. Die Integration gelingt ihm mit klaren Regeln und klaren Konsequenzen. Wer sich daran in seinem Pokerclub hielt, der durfte auch auf seine Unterstützung zählen z.B. bei Problemen mit dem Ausländeramt oder der Aufenthaltsbewilligung. Zuletzt setze er sich etwa für Rapper Besko ein, welcher hätte des Landes verwiesen werden sollen. Und um Besims berühmtes Auto aus der österreichischen Zoll-Bürokratie herauszubekommen, mobilisierten wir sogar diverse Polit-Grössen in Österreich. Letztendlich war Poker für Marc das, was es für uns alle ist: Leidenschaft pur und ein grosses Hobby. Die Mischung aus kühlem Berechnen, Strategie, Konzentration, Glück und psychologischer Kriegsführung fasziniert uns Pokerspieler so sehr, dass wir beim Spiel dem ganzen Alltagsstress entfliehen können.

Marc – der Politprofi – hatte stolz als Facebook-Profilbild – privat sowie bei der Fanseite „Pokern fürs Schweizer Volk“ - die Pokerabstimmung im Nationalrat. Es grenzt an ein Wunder: Mit 165 zu 2 Stimmen sprach sich das Parlament fürs Pokern aus – trotz enormem Gegenlobbying und trotz Ablehnungsempfehlung vom Bundesrat. Kurz darauf folgte ebenfalls ganz deutlich der Ständerat. Während ich dafür öffentlich die Lorbeeren bekam, machte Marc mit seiner Kreativität und mit seinem riesigen Einsatz dieses Ergebnis möglich. Der Erfolg gehört zu 100% ihm. Er machte scheinbar Unmögliches immer wieder möglich. Ob Bundesgericht, Justizdepartement, Politik, Comlot, Casinoverband, Lotterien oder die Spielbankenkommission: Zu all diesen Instanzen durfte ich Marc begleiten. Und sie alle hatten grössten Respekt vor ihm. Kaum jemandem sonst standen solch schwere Amtstüren stets offen. Wie schaffte er das? Seine kommunikativen Stärken und seine ehrliche, bescheidene – aber freundliche und humorvolle – Art wirkten Wunder. Er sprach immer mit allen ehrlich und offen – und das am liebsten persönlich von Angesicht zu Angesicht. Bei ihm – und das gibt es bei politischen Projekten echt fast nie – konnte man immer sicher sein, dass er Wort hielt. Das schätzen Freunde sowie die Konkurrenz. Es war Marc stets sehr wichtig, dass er sich mit allen Beteiligten austauschen konnte. Die Debatte mit den unterschiedlichsten Menschen liebte er. Nur fühlten sich die staatlichen Lotterien und der Casinoverband leider oft nicht an ihre Worte gebunden, was ihn sehr enttäuschte. Doch er nahm dies gleichzeitig als Motivation, um erst recht weiterzukämpfen.

 

Marc – der innovative und kreative Kämpfer – erlebte viele Hochs und Tiefs in der Pokergeschichte. Aber er blieb auch bei Rückschlägen optimistisch und konnte seine Mitkämpfer zu Höchstleistungen motivieren, selbst wenn er in der Arbeit versank und vor Erschöpfung kaum noch konnte. Ende Juni – vor der ersten Sitzung zum neuen Geldspielgesetz in der Rechtskommission-Nationalrat – traf er gegen 22 Uhr in Bern ein. Für die Sitzung – in welcher er die Anliegen der Pokerspieler souverän vertreten hatte – unterbrach er seine USA-Ferien und flog extra in die Schweiz. Das zeigt, wie wichtig ihm das Anliegen war. Konzentriert gingen wir das ganze Gesetz durch und gegen 5 Uhr morgens reichten wir um die 50 Änderungsanträge ein. Sitzungsbeginn und somit Eingabeschluss war um 8 Uhr. Unser einziges Hilfsmittel fürs nächtliche Durchschaffen: eine Riesenpackung Maestrani-Schöggeli. Die Zusammenarbeit mit Marc war stets hocheffizient, lehrreich und machte immer auch Freude. Seine kreativen Ideen und Innovationen kannten kaum Grenzen! Unvergesslich ist die Aktion, als er allen Parlamentariern ein Pokerset inkl. Bundeshaus-Chips schickte und erklärte wie Poker funktioniert. Unvergesslich als er den legendären Bundesratszug mietete und wir damit nach Kufstein fuhren. Das Pokerturnier fand aus Protest gegen das Verbot erst nach Überqueren der Schweizer Grenze statt. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war ihm sicher. Einige Müsterchen von seinen Geniestreichen möchte ich hier erwähnen, da er oft nur im Hintergrund wirkte, auch wenn er von A bis Z alles organisierte und finanzierte: Wenn es schon ein Parlamentarier-Jassturnier gibt, dann soll es auch eines mit Poker geben – dachte er sich und führte das Parlamentarierpokerturnier dieses Jahr bereits zum zweiten Mal erfolgreich durch. Wenn Simonetta Sommaruga auf Druck von Lotterien und Casinos schon das Internet zensieren will, dann sollen die Schweizer mal sehen, wie es in Nordkorea läuft. Und kurzerhand schickte Marc die Sava und den Felix nach Korea für einen Filmbeitrag, zu sehen auf „Pokern fürs Schweizer Volk“ und seinem neusten Projekt, welches in wenigen Tagen hätte durchstarten sollen: Geldspielgesetz.ch. Auch seine TV-Auftritte zum Poker – z.B. im CC-Talk auf StarTV – zeigen seine Leidenschaft und das Feuer, welches für Poker brannte. Mit seinem Charisma schaffte es Marc eine breite und kräftige Allianz von bisher alles andere als befreundeter Akteure zu bilden: Die „unwesentlichen Akteure“ von der Suchtprävention und dem Spielsuchtschutz, Konsumentenorganisationen, der Werbe- und Marketingbranche, Medien und Detailhändlern über Sportvereine bis hin zur Technologiebranche oder der Bürgerbewegung Digitale Gesellschaft, Piratenpartei und Online-Anbieter. Ja auch fast alle Jungparteien von links bis rechts signalisierten ihm Unterstützung. Bisher bestimmten und schrieben den Gesetzesentwurf weitgehend die mit mächtigen Lobbys und viel Geld ausgestatteten Staats-Lotterien und Monopol-Casinos. Die „unwesentlichen Akteure“ waren dank Marc auf bestem Weg, wesentlich zu werden. In Kürze wollte er als Alternative zur Botschaft des Bundesrates – welche der Meinung von Lotto und Casino entsprach – eine Botschaft von allen anderen Akteuren unter die Politiker bringen. Denn alles ist offen: 12:11 - nur eine Stimme fehlte in der Kommission für eine Rückweisung vom Geldspielgesetz. Niemand hätte jemals gedacht, dass wir Unwesentlichen überhaupt so nah rankommen. Obwohl viele meinten es sei 12:11 für – und nicht wie ausgezählt gegen uns – gewesen, bleiben E-Mails mit Rückfragen zur Auszählung der Stimmen bis heute unbeantwortet. Bei allen anderen Ergebnissen an diesem Tag wurden die Detailabstimmungsergebnisse in der Medienmitteilung veröffentlicht, nur bei dieser vorentscheidenden Abstimmung nicht. Das knappe Ergebnis zeigt, dass er kurz vor dem Ziel war. Vor den Wahlen streute er breit Wahlempfehlungen von pokerfreundlichen Politikern: Pokerwahl 2015. Viele meiner Ratskollegen gestanden mir, dass sie überraschend oft darauf angesprochen worden sind. Wenn die davon Gewählten sich bei den Beratungen zum Geldspielgesetz alle an ihr Wahlversprechen halten, ist für Marc das Ziel in Sichtweite.

 

Marc – der Unbestechliche - wurde selbst von anderen Pokerclubs vorgeworfen, sein politischer Einsatz für das Pokern gelte nur der eigenen Brieftasche. Das mag eine anfängliche Motivation gewesen sein, keine Ahnung, doch darum geht es schon seit Jahren nicht mehr. Er widerstand verlockenden Angeboten, mit welchen man ihn kaufen wollte und dafür lediglich verlangte, dass er Ruhe gibt in Sachen Geldspiele. Er investierte garantiert an die 100‘000 Franken, damit Poker nicht unterging gegen die Jahrzehnte unbesiegbare, millionenschwere Lobby-Wand von Casinos und Lotterien. Wenn diese etwa Politiker zum Schlemmen ins Luxushotel einluden, schickte er keck allen am morgen danach einen Starbucks-Gutschein mit wenigen Facts zum Poker. Und er entschuldigte sich, dass den kleinen Pokerclubs – deren Verbandspräsident er als Präsident vom VPUG – Verband der Poker-, Geschicklichkeits- und Unterhaltungsspiele-Anbieter war – nicht die gleichen finanziellen Mittel hätten. Damit erreichte er mehr Politiker als die mit den Luxus-Einladungen. Die Zustimmung in der Öffentlichkeit war riesig. In Online-Umfragen mit teilweise über 10‘000 Teilnehmern sprachen sich stets um die 90% für die Poker-Freigabe aus.

Marc sagte mir, er habe sich nie für Politik interessiert. Aber seit er damit im Rahmen von Poker angefangen habe, könne er nicht mehr stolz sein auf unsere Demokratie. Intransparente Weisungen aus der Verwaltung und das geradezu fanatische Lobby von Casinos/Lotterien – die den Gesetzesentwurf in der Arbeitsgruppe gleich selber mitschreiben durften – störten ihn gewaltig. Letztendlich werde die Schweiz von Lobbyisten regiert. Seine verständlichen Argumente stürzen die Schweizer Demokratie letztendlich in eine tiefe, existentielle Vertrauenskrise. Nur Transparenz kann das Vertrauen wieder herstellen. Marc gab den entscheidende Anstoss für mich, um die Transparenz-Initiative zur Offenlegung der Politiker-Nebeneinkünfte zu starten, die Bundesbern in Schockzustand versetzte und bis heute Wirkung zeigt.

Bis heute ist uns beiden nicht klar, warum die staatlichen Akteure die Pokerfreunde so hart bekämpfen, macht doch Poker nur 1% vom Umsatz mit Geldspiel aus. Viele von Marc gesammelte Fakten deuten darauf hin, dass Casinos/Lotterien fürchten, Poker habe das Potential auch in anderen Bereichen mit dem staatlichen Monopol zu brechen, damit es nie mehr derart krasse Machtkonzentrationen gibt wie heute. Marc nervte sich so sehr über dieses Lobbying und das unsorgfältige Hinauszögern und Ignorieren des Bundesrates und der Bundesverwaltung – obwohl die Entscheide im Parlament ganz klar für eine Freigabe sind und ein Mehrheitsentscheid von National- und Ständerat sollte doch verbindlich sein. In letzter Zeit sprach er in immer regelmässigeren Abständen vom Auswandern – Prag, Malta, Kanada, Hawaii und neu Reno-Nevada interessierten ihn. Anders könne er dieser verlogenen Politik nicht entfliehen, wenn er sich nicht durchsetzen werde. Und Marc zählte zu jenen Menschen, die nie einfach nur so drohten. Was er sagte, machte er früher oder später auch – erstaunlicherweise sogar am Pokertisch.

 

Marc – der Ermittler – konnte vernetzt denken wie kein Zweiter. Ich kenne niemanden, der so sauber und tief Recherche-Arbeit machte wie er. Kein Wunder verstand er sich bestens mit dem bis nach Bern gefürchteten Redaktionsleiter der Rundschau. Ordnerweise hatte er Material, welche den Casinoverband und die Lotterien schwer belastete. Häppchenweise brachte er – Fall für Fall – an die Öffentlichkeit. Da war er ganz der Profi. Etwa dass der Bundesrat Jahre lang alle privaten Geldspielautomaten ausserhalb von Casinos verboten hatte, nur um nun den staatlichen Lotterien mit Tactilo-Automaten genau dies zu erlauben. Oder er bewies, dass man mit einem Lottoschein über 50‘000 Franken an jeder beliebigen Annahmestelle sofort verspielen konnte, worauf die Lottozettel abgeändert werden mussten. Das Bundesgerichtsurteil zum Pokern hatte er – zusammen mit dem Kläger – schon Tage vor dem Beklagten und Wochen vor der öffentlichen Publikation, was uns beide an der Unabhängigkeit der Justiz zweifeln liess. Ein reines Gefälligkeitsurteil vom Gericht für die Casinos, sagte er immer. Auch im Gesetz kannte er alle Lücken und Mängel detailliert. Neben den staatlichen Monopol-Akteuren traute er sich – weitestgehend alleine im ganzen Land – auch gegen kriminelle Netzwerke des illegalen Glücksspiels vorzugehen. Auch diesbezüglich verfügte er über umfangreiche Akten, die leider von der Polizei bis zu den Aufsichtsorganisationen meistens ignoriert wurden.

Marc – der Rechtsprofessor – kannte sich mit Gesetzen aus. Letzte Woche erst beichtete ich ihm, dass ich in meinem ganzen Jura-Studium nicht so viel gelernt hätte wie von ihm. Und das meine ich wirklich so. Unvergesslich bleibt mir etwa, als ich ihn zum Richter begleiten durfte im Fall eines an Krebs verstorbenen und von Marc vertretenen Pokerspielers gegen die Swiss und wie er sich da durchsetzte. Unvergesslich auch sein Auftritt als Anwalt von Gling-Poker vor dem Kantonsgericht (Obergericht) in Trogen als er der Richterin erklärte, was eine Stuhlmiete ist und warum diese nicht gegen ein Gesetz verstösst. Der Anwalt der Spielbankenkommission war nach den Verhandlungen im aus allen Nähten platzenden Gerichtssaal so baff von der Souveränität und der einwandfreien Argumentation von „Rechtsanwalt„ Marc, dass er sein dickes Auto nicht mehr zum Laufen brachte und dann plötzlich wie wild durchstartete und hinter einer dicken Staubwolke verschwand.

Unvergesslich seine Verhandlungstaktiken und schlicht genial, wie er zu jedem Gesetzesartikel auch in scheinbar aussichtsloser Situation eine Lösung wusste. Vom Verkehrsrecht über Yallo-Betrug an ihren Kunden bis hin zu Konflikten mit der SBB oder der Migros. Meistens setzte er sich durch.

Marc – der Major – führte im Militär Hunderte von Soldaten und Offizieren an. Wer ihn privat kennt, staunt vielleicht: Ja, er war ein hohes Tier im Militär und er führte wie kein Zweiter. Vielen sagen, die grosse Armeeausstellung in Frauenfeld sei primär dank ihm zu einem Riesenerfolg geworden. Sicher ist, dass die nützliche und gut ausgelastete Kaserne Kandersteg ohne ihn längst abgerissen worden wäre.  Und er war ein unverzichtbarer Wert bei der Organisation vom AxAlp-Schiessen. Alljährlich im Spät-Herbst demonstriert die Schweizer Luftwaffe auf der Axalp/Ebenfluh ihr Können in den Schweizer Alpen. Auf 2200 Meter, dem höchstgelegenen Fliegerschiessplatz Europas, können Zuschauer eine Flugshow bewundern, welche im prächtigen Alpen-Panorama eine Aviatik-Performance seinesgleichen weltweit sucht. Dementsprechend kommen zehntausende Touristen und Aviatik-Fans aus der ganzen Welt nur deswegen ins Berner Oberland. Von Parkplatz über den Transport bis hin zur Telefonzentrale: Alles war perfekt durchorganisiert. Hier durfte ich als Büro-Mitarbeiter zweimal mit Marc Horisberger als mein Vorgesetzter einen WK leisten. Freundschaftlich und kollegial gab er bei einem ersten Nachtessen seiner Einheit bekannt, was er von uns erwartete. Und wir schufteten Tag und Nacht. Er gab aber auch bekannt, wie man dafür belohnt werde: Das Freitagsabtreten und der Spezialausflug liess uns alles geben – aber die Hauptmotivation war Major Horisberger, der soviel Vertrauen in seine Soldaten setzte. Niemand wollte ihn enttäuschen. In vielen WK’s anderer Truppengattungen erlebte ich das pure Gegenteilt: Ein Katz und Maus-Spiel zwischen oberem und unterem Kader und gleichzeitig eines der Kader mit den Soldaten. Als er seinen Vorgesetzten den Abschlussrapport präsentierte, durfte ich als Folienwechsler mit zur Kadersitzung. Er meinte, ich sei seine „Waffe für den Notfall“ und soll mich einbringen, falls der Divisionär nicht einverstanden sei. Doch die Notfallwaffe konnte sich auf den Folien-Wechsel beschränken, so überzeugend setzte sich Marc für seine Truppe ein; trotz Skepsis der Armeespitze setzte sich Major Horisberger durch. Letztendlich zählte die einwandfreie Auftragserfüllung. Und an der gab es nichts einzuwenden. Warum sollen Soldaten rund um die Uhr Waffen bewachen, welche dann während 3 Wochen an keinem einzigen Tag zwecks Übung Tag benutzt werden.

Gerne verbrachte er auch ausserhalb der Dienstzeit die Zeit in militärischer Umgebung z.B. in der Festung Tschingel seines guten Freundes Oberst Werner Heeb. Oft erzählte er von den Strapazen und Herausforderungen im Dienst oder in der  Offiziersschule. Beispielsweise bekam er als Offiziersanwärter bei Kilometer 98 von 100 einer Pistole mit 3 Schuss geladen und bei Km 99 sollte er damit 3 Ballone treffen. Wer vor lauter Nervosität und Erschöpfung einen Ballon nicht traf, musste zurück zur Km 98, um Munition zu holen. Marc blieb ruhig und traf alles. Bis heute staunte ich oft, wie er auch in schwierigen Situationen ruhig und überlegt blieb und diese väterliche Weisheit auch auf seine Mitstreiter übertragen konnte.

Doch keine Angst: Marc war kein anderer Mensch sobald er die Uniform anzog, sondern durch und durch auch im Militär ganz der Prinzipien-treue Marc, den wir kennen: Es gelang ihm, seinen Führungsstil auch im Rahmen der straff durchgeregelten Armeeorganisation durchzusetzen. Statt WK-Soldaten in Notunterkünfte zu stecken, während das Kader in Luxushotels übernachtete – legte Major Marc die verfügbaren Übernachtungsentschädigungen zusammen und alle durften sich über eine Unterkunft direkt am Brienzersee freuen. Waffen und Helme hatten die Soldaten daheim zu lassen, womit auch eine 24h-Materialwache inkl. Wochenendwache verhindert werden konnte.

Ganz eindeutig bei allen Soldaten war: Er war die beliebteste Führungsperson und gleichzeitig die Strengste. Beliebt, weil seine Entscheide alle eine nachvollziehbare Logik hatten und auf Fairness, Leistung und Eigenverantwortung basierten. Würde die Schweizer Armee von Marc geführt, wir wären tatsächlich die beste Armee der Welt. In wenigen Tagen hätte Marc mit seinen besten Dienstkollegen seine Ausmusterung gefeiert. Er pflegte viele in der Armee entstandene Freundschaften bis heute.

 

Marc – der Unternehmer – führte vermutlich – da sah ich zu wenig rein – mit einem ähnlichen Stil seine Druckerei, die Pokerreisen und die Pokerclubs. Jedenfalls traf ich überall topmotivierte, freundliche und engagierte Angestellte an, für die Marc nicht nur ein Arbeitgeber, sondern eben auch ein Freund und Mitarbeiter war. Dieses gute Arbeitsklima spürte man als Kunde sofort. Ich hoffe und wünsche allen, dass seine Unternehmen bestehen bleiben und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Wer etwas drucken möchte, soll doch bitte auch einmal www.horisberger.ch berücksichtigen. Auch organisatorisch war er Perfektionist. Stets funktionierte alles. Und seine Grafiker in der Druckerei arbeiten auf Topniveau. Und seine Mitarbeiter retteten mir sogar einmal den Wahlkampf: Weil ich wusste, dass er mir danach keine Rechnung schicken würde, musste ich bei den Wahlen 2011 andernorts meine Wahlwerbung drucken lassen. Ich wollte kein Geld von ihm, die Freundschaft war mir viel wichtiger. Im Gegenteil hätte ich gerne die Druckerei – wenigstens zum Selbstkostenpreis – unterstützt. Doch dann der Schreck: Die in Zug gedruckten Flugblätter kamen unbandiert und die Druckerei weigerte sich, dies nachträglich noch zu machen, obwohl das Vertragsbestandteil war. Die Post wiederum nimmt nur bandierte Massensendungen PromoPost entgegen. 450‘000 Flugblätter für das Altpapier gedruckt? Marc stellte kurzerhand einen Mitarbeiter zur Verfügung, welcher tagelang in meiner Garage alles Einband und mir somit den Wahlkampf in letzter Sekunde rettete. Dafür durfte ich immerhin den Selbstkostenpreis bezahlen und von da an verstanden wir uns auch in Sachen Druckerei.

 

Marc – der Gerechtigkeit verpflichtet – ob in der Politik oder privat: Er war ein Mensch, der so gut zu den Menschen war, wie diese zu ihm. Das zeigte er jeweils ganz direkt: Als wir in Wien eine Tagung über Geldspiel-Recht besuchten, per Zufall Marcel Koller über den Weg gelaufen sind und mit der Redaktion vom Poker-Magazin noch einen Abstecher ins Pokerparadies Montesino machten, merkten wir frühmorgens, dass wir noch kein Hotelzimmer gebucht hatten und ganz Wien restlos ausgebucht war. Dem Taxifahrer, der uns anbot kostenlos bei seiner Familie zu übernachten, gab er ein Dutzendfaches vom Fahrpreis zurück.
Als er in Prag einem Obdachlosen unter einer Brücke 1000 tschechische Kronen (ca. 40 Franken) gab, bedankte sich dieser mit wildem Tanzen und meterhohen Freudensprüngen. Darauf verfünffachte Marc den Betrag und wir beide wurden vom Obdachlosen und seiner Frau derart heftig umarmt, wie wir das niemals wollten.
Am selben Tag hielt ich in Tschechien einige politische Vorträge zu Demokratie, Europa und Geldpolitik. Marc begleitete mich und 4 tschechische Studierende feierten mit uns die ganze Nacht. Marc trug Henrika – als Gründerin der Frauen-Football-Liga in Tschechien kein Leichtgewicht – stundenlang auf den Schultern durch Prag. Wir den Becherovka und ihre Krücken. Kurzerhand lud er die vier Studenten in die Schweiz ein und ermöglichte ihnen vom Fondue-Essen bis zur Fahrt aufs Jungfraujoch eine unvergessliche Schweiz-Reise. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft. Wir trafen uns immer mal wieder in Prag und spielten Laser-Fun oder genossen das tschechische Bier und den Becherovka. Josef besuchte uns sogar in den USA und versorgte uns mit selbstgemachtem Slibovic und Becherovka.
Als der Enthüllungsautor Kleiber für sein mutiges Buch über die Geldspiel-Mafia in ernsthafter Gefahr war und sich viele aus reiner Angst Racheakten von ihm abwendeten, unterstützte ihn Marc.

Marc – der Netzwerker – kannte unglaublich viele Leute im In- und Ausland bis in die Justiz und in die Medien. Ob am Flughafen London oder am Strand von Kalifornien: Garantiert traf er irgendwo jemanden, den er kannte und schätzte. Er ging offen auf Menschen zu. Zufällig übernachteten wir einmal im gleichen Hotel wie der Präsident Vietnams. Er liess es sich nicht nehmen, ihn kurz anzusprechen. Oder als wir im Flieger nach Prag per Zufall auf Peter Spuhler trafen, unterhielten sich die Beiden als wenn sie sich Jahre kennen würden.  Marc interessierte sich trotz dem ganzen Stress – den er tagtäglich hatte - sehr für sein Umfeld. So fragte er mich kürzlich, wie es meinem jungen Toggenburger-Kollegen gehe, welcher eine Maurer-Lehre abgeschlossen hatte und dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf dem Bau arbeiten durfte. Dieser junge Toggenburger war nur ein einziges Mal im Poker Palace. Und er erkundigte sich, wie es seinem Namensvetter gehe, welcher beim Frauenhandball jeweils per von Marc gestifteten Megaphon Stimmung macht. Auch ihn hat er nur an 2-3 Handballspielen kurz kennengelernt. Wer sich so achtsam für sein Umfeld interessiert, für den interessieren sich die Menschen automatisch auch. Wenn ihn hingegen jemand nervte, dann sprach er ihn darauf direkt an. Oft führte das zu erstaunlichen Verbesserungen beim Verhalten der Betroffenen – selbst in der nicht von Grundprinzipien geprägten Welt des Lobbyismus.

Marc – der Mensch – stellte mir vor einigen Wochen in den USA eine sympathische Dame vor, die beruflich bei einem Casino weit oben arbeitet. „Schade, dass sie schon abreist.“ – flüsterte er und verriet mir, dass er schon seit einiger Zeit einen Blick auf sie werfe und sie sicher zu ihm passen würde. Aber so schön das wäre, habe er jetzt einfach keine Zeit für Liebschaften und schon gar nicht für solche vom Feind der Casinos. Erst da wurde mir so richtig bewusst, auf wieviel er für seinen Einsatz verzichtet. Das hört sich traurig an. Aber ich bin mir sicher: Marc wusste, was er tat. Seine Freude und seine Leidenschaft motivierten ihn und uns – sich auch in scheinbar chancenlosen Situationen – mit aller Kraft für seine Visionen und Ziele einzusetzen. Vielleicht hört sich das jetzt alles zu übermenschlich und zu stark an. Darum auch etwas zum Mensch:

Kraft tankte er im Winter in Kanada: Oft schwärmte er von Whistler und wer seine Videos (Helikopter: Ohne Worte oder Snowmobil&Kettensäge ) gesehen hat, weiss, warum es ihm dort so gefallen hat. Und sowieso reiste er gerne und viel. Nach Taiwan meinen Bruder besuchen, das hatten wir uns fürs 2017 vorgenommen.

Eine grosse Herzlichkeit zeigte Marc auch im Umgang mit Kindern: Wie ein Vater wirkte er als er beim Final4 in Sursee auf der Wiese mit den Töchtern von seinem guten Freund Andi spielte. Oft kaufte er Spielwaren fürs Göttikind oder erzählte Anekdoten von Begegnungen wie die, wo er sein Göttikind mit dem Lastwagen in die Schule brachte und von einer übereifrigen Lehrerin gefragt wurde, ob er noch nie etwas von Umweltschutz gehört habe. Seine Antwort: Darum geht es ja. Ich bringe den Kindern gerade bei, was Umweltschutz ist. Und dann richtet er den Blick zu den vom Lastwagen faszinierten Kindern und sprach in klaren Worten: „Also meine Lieben, das hier ist kein Umweltschutz. Merkt Euch das.“

Einmal Berner, immer Berner: Wenn er mit Bernern redete, dann schlug wie auf einmal sein Berner Dialekt durch, den er sonst vollständig abgelegt hatte. Doch daheim war er voll und ganz in Regensdorf. Seine Berner Wurzeln aber spürte man etwa durch seine Sympathie für die pokerhelden.ch im Berner Oberland.

Spielautomaten und Würfel faszinierten ihn so sehr, dass auch ein Bahnsteig oder ein Flugzeug kurzerhand schon zum Craps-Tisch umfunktioniert wurden. Einmal zeigte er mir stolz seine Flipperkasten-Sammlung und wir kamen viel zu spät zum nächsten Termin, weil wir vor lauter Flippern die Zeit völlig vergessen hatten. Viele seiner Kästen sind einmalig in Europa wie der Southpark-Flipper und ältere Modelle wohl einmalig in der ganzen Welt. Im gleichen Raum befindet sich auch eine Collage, welche ihm Freunde zu seinem 40. Geburtstag schenkten mit diversen Situationen und Stellen aus seinem Leben. Diese hat es ihm auch angetan. Seine vielen Freunde waren ihm wichtig und für sie versuchte er sich immer Zeit zu nehmen.

Zu meinem Leid war Marc auch ein grosser Fan von Achterbahnen, insbesondere die von Six Flags liebte er. Je härter die Bahn desto mehr Spass für ihn. Je härter die Bahn desto mehr Horror für mich. Aber ich hatte ihn auch schon gegen seinen Willen zur Rat Pack Show mit Frank Sinatra in Las Vegas geschleppt oder zum Baseball und er kam wider Willen mit. Als ich ihn zum Spiel der Giants gegen die Cardinals schleppte, kassierten wir einen üblen Sonnenbrand und Marc langweilte sich so sehr, dass er mit seiner Kamera plötzlich auf dem Baseball-Spielfeld stand. Da er mit der Profi-Kamera wie ein Pressefotograf wirkte, liess man ihn jederzeit gewähren. Aber zurück zu seinen Interessen: So verbrachten wir – noch keine zwei Monate ist es her - von Parköffnung um 10 Uhr bis zur Schliessung um 21 Uhr einen Tag auf unzählig vielen Achterbahnen vor welchen ich mich bisher immer drückte. Abends musste auch ich zugeben, der Tag im Six Flags Freizeitpark hat Spass gemacht.

Privat am wichtigsten waren ihm aber sicher seine Freunde, die er alle schon viel länger kennt als mich: Andi, Sascha, Andy, Werner und ganz viele weitere, die ich unmöglich alle aufzählen kann. Mit ihnen machte er Ausflüge, ging bei Rolis Steakhouse oder bei Cinnabon essen und fühlte sich in ihrer Umgebung wohl.

 

Marc – der Sportförderer – war auch selber sportlich. Nie mehr vergesse ich wie Marc mich durch ganz London zog und rannte wie Röthlin: So schaffte ich es auf die Sekunde genau – aber völlig ausser Atem – doch noch aufs Podium zum Geldspielrecht an der Regulatoren aus der ganzen Welt teilnahmen. Wir hatten zuvor die falsche U-Bahn genommen. Ja, er konnte schneller und länger rennen und das ohne Probleme. So auch als am Flughafen London City fälschlicherweise ausgerufen wurde, das Boarding für den Swiss-Flug sei soeben beendet. Schätzungsweise 30 Sekunden nur brauchte er, um einmal durch den ganzen Flughafen zum Gate zu rennen, um den Flug nicht zu verpassen. Viel Bewegung machte er auch mit seinem Velo.
Aber er zeigte stets auch Herz für den Sport früher als Sponsor vom FC Regensdorf. Später wechselte er und unterstützte als Sponsor einen Aargauer Eishockeyclub von einem seiner Mitarbeiter in der Druckerei und die Handball-Ladys von GC Amicitia Zürich. So wollte er die Mannschaft anfangs September zu einem Spezialtraining nach Prag einladen, organisierte im PokerPalace ein vereinsinternes Pokerturnier und war regelmässig an Spielen anzutreffen, etwa beim Aufstieg in die oberste Spielklasse SPL1 oder im Cup-Halbfinale in Sursee. Das Cup-Viertelfinale in Yverdon – wo wir die einzigen 2 Auswärtsfans unter Hunderten fanatischer Heimfans waren und er plötzlich mit zwei Händen voll Münzen und Noten dastand. Der Yverdon-Präsident hielt ihn für den offiziellen Handball-Delegierten vom Verband und er wollte ihm seine Entschädigung bezahlen. Das Geld gab er natürlich zurück, aber wir nahmen dafür den Sieg mit ins Halbfinale in Sursee. Auch wenn Marc den Trainer Toni viel zu hart fand, insbesondere weil mein Schatz wegen Trainings oder Spielen nur selten bei unseren Ausflügen dabei sein konnte, so gestand er mir doch, dass er ihn für äusserst kompetent und den „richtigen Mann für diesen Job“ hielt.

 

Marc – der Techniker – faszinierte sich für neue Techniken und Innovationen. Etwa für Drohnen, mit welchen er in Amerika schon grosse Polizeieinsätze auslöste und ein Kollege von Marc – als er im Mandarin Marc‘s Drohne holen wollte - ein lebenslanges Hausverbot kassierte. Selbst Tele Züri kaufte ihm schon mit seinen Drohnen gemachte Videos ab – z.B. als es beim Autohändler in der Nachbarschaft lichterloh brannte.
Nah bei der Technik ist auch die SNV: Viel Bewunderung sprach er oft für Hans Peter Homberger aus. Der ehemalige Chef der Schweizer Normen-Vereinigung SNV war gerngesehener Gast im PokerPalace und dieses Jahr durften wir bei ihm mit der ganzen Familie einen Pokerabend verbringen. Die beiden hatten die bisher beste Idee für ein sinnvolles Pokergesetz und diskutierten dies an mehreren Sitzungen in Winterthur: Der Bund soll lediglich auf eine Selbstregulierung verweisen im Rahmen der SNV, welche die Normeinhaltung auch überprüft hätte. Doch für so unbürokratische Lösungen gibt es in Bern wenig Gehör.


Marc – der Zauberer und Mentor – mochte Zaubershows in Vegas und noch mehr die vom grossen Zauberkünstler Felix Gasser. Aber manchmal zauberte auch Marc. Gerne erzähle ich im Freundeskreis, wie ich den 100km-Lauf von Biel erfolgreich absolvierte. Was niemand weiss: Marc und Andi begleiteten uns als Coachs den ganzen Lauf. Ab dem 77igsten Kilometer stiegen auch die letzten Kameraden meines Teams erschöpft aus. Und die waren alle sportlicher und trainierter als ich. Da sprang Marc ein und begleitete mich auf dem Velo im Schritttempo – was wohl anstrengender ist als jedes Gehen – bis zum Zieleinlauf. Wie er das schaffte, ist mir bis heute ein Rätsel.  Ich sagte ihm, ich mache noch bis zur nächsten Steigung und wenige Kilometer später kam eine Riesensteigung. Als ich bei Km 85 am Boden lag und mich wie das sterbende Elend fühlte, konnte er mich wieder motivieren. Aber ich war – ganz ehrlich – kurz davor auf ihn einzuprügeln und ihn zu beschimpfen. Wieso und wie er das ausgehalten hat? Ich glaube, er war auch stolz und mochte die Rolle des Mentors. Und er wusste im Gegensatz zu mir, dass solch ein Lauf ein Leben lang nicht vergessen geht. Als ich bei Km 92 weinend vor Schmerz und Enttäuschung über mich und dass ich Marc sichtlich enttäuschte unter einer Brücke sass, besorgte er von zwei Damen eine „Schmerztablette“ und redete mir ein, dass sie jetzt wirke. Die letzten Kilometer rannte ich regelrecht ins Ziel. Erst dort gestand er mir, dass es nur eine wirkungslose Ginseng-Tablette war. Und schon kamen die Schmerzen wieder. Auf diesem mehrere Stunden dauernden Marsch erinnere ich mich an jedes Wort. Die Gespräche über den frühen Tod seines Vaters und den wie durch ein Wunder entgegen allen Prognosen besiegten Krebs bei meinem Vater. Die Gespräche über Gott, die Welt, das Leben, die Zukunft und über die Momente, in welchen Marc so ans Limit ging. Ich brauche lange bis ich einem Menschen 100% vertraue, aber spätestens nach diesen 23 Kilometern gab es für mich daran keinen Zweifel mehr.

Herausragende Persönlichkeiten konnten immer auf Mentoren zählen. Die Mentoren von Marc kenne ich nicht alle. Aber drei Personen prägten ihn sein ganzes Leben:

  1. Seine Mutter liebte ihn über alles und er liebte seine Mutter über alles. Oft sprach Marc davon, jetzt wolle er wieder einmal mit ihr einen Ausflug machen. Und ich bin froh, dass er es mit ihr erst vor einigen Wochen noch nach Prag schaffte. Die Herzlichkeit, die Menschlichkeit, seine Prinzipientreue, seine gewinnende Motivationskraft und den steten Humor hatte Marc bestimmt von seiner Mutter. Meine Freundin sagte jeweils, Marc ist mein Liebling, aber seine Mutter habe ich noch lieber. Wie Marc ist auch seine Mutter immer für einen Scherz zu haben, stets offen für Neues und jugendlich im Geist. Legendär war, wie sich Marc immer vor ihr versteckte, wenn er eine Zigarette rauchte. Nicht weil er sich fürchtete, sondern weil er nicht wollte, dass sie sich Sorgen um ihn machte. Umgekehrt hat er seine Mutter ertappt, wie sie sich wegschlich um nicht vor seinen Augen zu rauchen. Wohl weil sie nicht wollte, dass er sich sorgte. Nicht schlecht staunten wir am Basel-Tattoo als sie sich einen Snus genehmigte, weil sie den schon immer probieren wollte und kurzerhand ein Menu im McDonald’s holte, weil ihr das Catering-Angebot nicht schmeckte. Frau Horisberger ist eine unglaublich sympathische, liebenswürdige und blitzintelligente Frau. Für sie tut mir alles am meisten leid.

 

  1. Peter Schorno - Wo immer wir waren, was immer wir machten: Marc schwärmte für Peter Schorno und erzählte mit Bewunderung von seinen Taten. Wie er Golden Games aus Staad aufbaute und wie er vom Staat und den Monopolisten bis auf den Tod bekämpft wurde. Manchmal gingen wir auch zu Dritt zu den Amtsstellen in Bern. Marc unterstützte Peter Schorno bei der Bewältigung der ganzen Bürokratie mit dem Staat. Mit niemandem sonst telefonierte er so oft wie mit Peter Schorno. Als die Lotterien Peter Schorno mit freundlicher Unterstützung des Staates fast am Ende hatten und ihm mit völlig haltlosen und gelogenen Behauptungen eine Casinolizenz verweigert wurde, war es aber zu weiten Teilen Marc, der Peter Schorno auch in schwierigen Zeiten beistand und zu alter Kraft zurückverhalf. Deshalb auch mein herzliches Beileid an ihn. Marc hat seine Genialität und den Unternehmergeist sowie die Mitarbeiterführung sicher auch in guten Stücken von Peter Schorno mitbekommen.

 

  1. Sein Bruder: Die Beiden dürften sich wirklich Brüder nennen, dachte ich immer. So ein enger Zusammenhalt der Geschwister sieht man selten. In Romanshorn feierten die beiden Brüder zusammen den 1. August. Sie organisierten dazu ein gewaltiges Feuerwerk. Und das Team Horisberger funktionierte blind. Wenn immer man sie zusammen sah, merkte man, dass sie sich aufeinander verlassen können und sich sehr nah stehen. Am Flughafen wurde Marc meistens von seinem Bruder abgeholt. Und wenn Marc Hilfe brauchte, dann stand ihm sein Bruder immer zur Seite. Obwohl ich ihn nie wirklich nah kannte, lieh er mir anstandslos seinen Toyota-MiniminiJeep als mein Auto nicht mehr mitfahren wollte. Auch Dir mein herzliches Beileid und ganz viel Kraft für diese traurige und schwierige Zeit. Meine Gedanken sind bei Dir.

Marc - der Vielseitige – hatte in nur 46 Jahren ein so spannendes und abwechslungsreiches Leben wie es viele im ganzen Leben nie haben werden. Das ist heute ein schwacher Trost. Marc hatte noch ganz viele weitere Leidenschaften, Freunde und er vollbrachte auch fernab von mir wahre Heldentaten. Ich will damit sagen, dass diese Zeilen nur einen kleinen Einblick in sein viel umfassenderes Leben und Wirken geben können als Andenken an eine herausragende Persönlichkeit, die ich bewundert habe. Aber vielleicht ergibt sich nach erfolgreichem Ende des Poker-Verbots ja die Zeit ein Buch mit verschiedenen Beiträgen zu lancieren.

Beispielsweise erzählte mir Marc, dass er schon als Lehrling seine Genialität und seine Ideen einbrachte. Sein Chef machte damals eine Umfrage nach Verbesserungs- und Einsparungsmöglichkeiten in der Firma. Marc produzierte ein ganzes Buch an Vorschlägen, was ihm zuerst einen Rüffel bis zur späteren Kündigung einbrachte. Gleichzeitig wandte er sich aber an den CEO und dieser hatte sichtlich Freude an vielen Vorschlägen vom 16-jährigen Lehrling. Später entstand darauf auch ein Versandhandel mit Elektronikartikeln. Wenn ich mich nicht irre, war dies die erste Firma von Marc. Aber eben – über diesen Teil seines Lebens müssten die Menschen schreiben, die damals dabei waren.

Marc – unsterblich über Leben und Tod hinaus – sass mit mir draussen am kleinen See neben dem Hotel in Reno. Der wunderschöne Lake Tahoe und Reno zog uns beide in den Bann. Nächstes Jahr wollte Marc die Pokerreise nach Reno statt nach Vegas machen. Irgendwie kamen wir auf das Thema Leben und Sterben: Er erzählte mir, dass ihn bis heute der frühe und plötzliche Tod seines Vaters sehr beschäftigt. Und dass uns beiden das auch drohe. Er empfahl, wir sollten mehr Ferien machen und auch Tage der Unerreichbarkeit einlegen, um Kraft für das Wesentliche tanken zu können. Gelungen ist es uns beiden nicht. Immerhin sagte er, sei dies sicher besser als im nicht enden wollenden Kampf gegen den Krebs so langsam dahinzuvegetieren. Und er wusste wovon er sprach. So begleitete er seinen Poker-Kameraden Stefan Rotach, genannt Rödel, intensiv im Kampf gegen den Krebs. Und als Richard – ein Freund von mir im Unispital den Kampf am verlieren war und vor wenigen Wochen ähnlich jung starb, half mir Marc – ohne dass ich ihn darum gebeten hätte - und brachte ihm den gewünschten New York-Kalender oder seinen alten Armeefeldstecher, damit er aus dem Fenster mehr erkennen konnte. Wenn du nur noch wenige Tage zu leben hast, dann zählt jede Minute. Nein, einen solchen Tod wünsche er niemanden. Da sei es doch viel besser, wenn man friedlich einschlafe. Beängstigend ist das, wenn ich an diese Worte zurückdenke. Als wenn er etwas gespürt hätte.

 

Was bleibt?

 

FÜR DICH MARC – werden wir alle kämpfen. Deinen Kampf weiterführen. Wir wissen, dass Deine Arbeit durch niemanden ersetzt werden kann. Aber wenn jetzt alle in der Pokerwelt mithelfen, dann werden wir Dein Lebenswerk – so kurz vor dem Ziel – auch zum Erfolg führen. In den Geschichtsbüchern der Zukunft wird stehen: Dank Marc Horisberger durfte in der Schweiz ab 2017 wieder gepokert werden. Wie auch immer das ausgeht: In unseren Herzen lebst Du für immer weiter. Wir vermissen Dich unendlich. Danke Dir Marc für alles!

Beim Tod von Stefan Rotach „Rödel“ hast Du gesagt, vielleicht spielen wir ja über den Wolken wieder einmal zusammen eine Runde Poker. Hoffen wir, dem ist jetzt so und du hast wie immer die besten Hände.
Auf Facebook habe ich einige Fotos zusammengestellt als Erinnerung, die man auch ohne sich bei Facebook zu registriereren sehen kann: 
 




Eilanfrage
Name:
E-Mail:
Telefonnummer:
Betreff:
Sicherheitscode
Text:
 
    ausdrucken    per Email versenden    bearbeiten
13.11.2016

Politische Eliten: Ohne und gegen das Volk! Aber für sich selbst und internationale Konzern-Lobbys.

"Ein friedlicher Übergang der Macht ist eines der wichtigsten Kennzeichen unserer Demokratie. Wir sind nicht zuerst Demokraten oder Republikaner, zuerst sind wir Amerikaner und Patrioten". Dies die starken Worte eines fairen ...

05.11.2016

SVP steht hinter Lukas Reimann

Delegiertenversammlung SVP SG in Kaltbrunn:    

11.10.2016

Beachtlicher Aufmarsch: „Fürstenland Forums“ mobilisierte

Bericht im SG-Tagblatt Bericht infowilplus An einem Forum referierten am Freitag bekannte SVP-Politiker zu Sicherheit, Islamisierung und dem Asylwesen. Der randvolle Turmsaal in Wil zeigt den Erfolg und das Interesse der Bevölkerung.

Spenden an Lukas Reimann

FOLGEN SIE LUKAS REIMANN AUF  Einbürgerung nur mit Niederlassungsbewilligung

FACEBOOK
und
TWITTER

Lukas Reimann wieder nach bern:

Moratorium für EinbürgerungenUnterstützen sie lukas reimann bei den nationalratswahlen vom 18. oktober 2015
Home| Impressum| Disclaimer| Datenschutz| Presse| Kontakt